Eine Tolle Karriere – Part 1

Was ist moralisch verwerflicher: Einen für die Mehrheit beschissenen Zustand aus Eigeninteresse mit edlen Worten zu vertuschen oder einen für die Mehrheit beschissenen Zustand aus Eigeninteresse mit beschissenen Worten zu benennen?

Ich hatte mal wieder einen Jobwechsel hinter mir. Mein neuer Job war die Art von Job, die man macht, um Geld zu verdienen. Nicht die Art von Job, bei der man Erfüllung findet und am Ende des Tages zurückblickend sagt: „Wow! Heute war ein toller Tag und ich habe einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet.“. Nein, so ein Job war das nicht. Es war ein Job in einer kleinen Firma, die sich auf den Großhandel von Smartphone Zubehör spezialisiert hatte. Ich hasse Smartphones. Insgesamt waren wir vielleicht 25 Mitarbeiter. Meine Aufgabe war es Produkte rückabzuwickeln, die innerhalb der Gewährleistungszeit Defekte aufwiesen und zurück gegeben wurden. Die einzelnen Schritte dieser Abteilung waren so erbärmlich monoton, dass ich mir jegliche Details an dieser Stelle spare. Die Kollegen aus dem Lager stapelten uns die Scheiße Palettenweise vor die Tür. Es war die Art von Job, bei der man es mit einem Chef zu tun hat, der alle paar Wochen braungebrannt vorbei schaut, die Zahlen checkt und den guten Kumpel spielt, während er dir sonst ins Gesicht scheißt, indem er dir einen so beschissenen Lohn zahlt, dass es gerade reicht, um dich am Wochenende so zu besaufen, um die vergangene Woche zu vergessen und die nächste zu überstehen. Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keine Perspektive. Nur ein verfickter Gehaltsstreifen und ein paar erbärmliche Kröten. Mein Arbeitsplatz befand sich am Rande des Lagers. Die Kollegen strahlten Resignation aus. Diese wurde nur durch ihren Sarkasmus übertroffen. Ich wusste nie wer was Ernst meint. Außer wenn es um den Job ging. Hier waren alle Todernst. Ein Blick in ihre leeren Augen ließ mich oft daran zweifeln, dass sie überhaupt noch lebten.

Hättest du in der Schule doch nur besser aufgepasst!“, hörte ich mir oft, eine Stimme vorwerfen. Ja und dann? Was dann? Dann hätte ich wahrscheinlich nicht in dem beschissenen Lager gesessen, sondern in irgendeinem feschen Startup rumgepimmelt. Ich hätte dem schwuchteligen Gründer den Speichel meiner Vorgesetzten aus der Arschritze geleckt, in der Hoffnung, dass er mich nicht feuert, wenn er mal wieder schlechte Laune hat, weil ihm keiner glaubt, dass er Hetro ist, obwohl er der häßlichen Personal-Abteilungsleiterin zwei Kinder gemacht hat. Wahrscheinlich wäre es so ein Startup gewesen, welches seinen potenziellen Kunden, durch immens hohe Marktingbudgets, ein Produkt verkauft, was es so gar nicht gibt und seine Mitarbeiter nur durch die Spenden von sehr reichen Wohltätern bezahlen kann, die das ganze für eine gute Investition halten.

Nebenbei bemerkt, wäre das natürlich nur das Ziel gewesen. Erst einmal hätte ich meine kostbare Lebenszeit weiterhin damit verbringen dürfen, irgendeinem Wichser zu zuhören, der sich für ne große Nummer hält, weil er jahrelang den Scheiß auswendig gelernt hat, den dann ich auswendig hätte lernen sollen. In dieser Zeit hätte ich mir ausgemalt wie rosig das Leben schmecken wird, wenn der Müll vorbei ist, um dann endlich mit Ende Zwanzig eine Delikatesse aus Klabusterbeeren übergossen mit Vorgesetztenspeichel vom Arsch meines Geschäftsführergründers kredenzt zu bekommen.

Nein danke! Dann doch lieber die frustrierten Sarkasten von HandyCountry.

Wie einem das Leben aufs Maul hauen kann, habe ich schon früh gelernt. Dazu brauchte ich nicht auch noch ein jahrelanges Studium mit der Aussicht auf nen Arschkriecher Job.

Doch wie rauskommen aus der verfickten Scheiße? Wie zur Hölle rauskommen aus dem beschissenem Hamsterrad….

Fortsetzung folgt.