Kategorie: Kurzgeschichten

Mein Wahnsinn – Die Ketten der Schlange

Autor: Martin Länger

Die Schuhsohlen von Gwyn klopften auf den verzierten Steinboden als er sich kurze Zeit später vor der Kathedrale, in der Mitte des Friedhofes, wiederfand. Hmm…“, grübelte er vor sich hin, während er die große Pforte betrachtete, die am Ende der Stufen wartete. Plötzlich sah er ein kleines Licht am Fenster aufflackern.

Hm? Arbeitet um die Uhrzeit noch jemand hier?“, es dauerte nicht lange und seine Kuriosität war geweckt. Diese wurde durch seinen angeheiterten Zustand nur ermutigt.

Warum eigentlich nicht? Ich bin auch lieber hier als an meinem Schreibtisch.“, flüsterte er sich mit einem entschlossenem Nicken zu. Beim Besteigen der Treppe hallte der Klang seiner Sohlen durch die einsame Nacht. Auf der letzten Stufe angekommen, bewunderte er die eiserne Pforte, vor der er stand. Verzweigtes Geäst, gespickt mit Dornen, ragte über der massiven Tür. Die riesigen Griffe in der Mitte waren schon so stark eingerostet, dass sie kaum noch Ähnlichkeit mit dem Rest des Einganges besaßen. Fasziniert von dem ungewöhnlichem Design, fing er an, mit seinem Finger über die Oberfläche zu streichen. Er bemerkte zwei ziemlich ausgefallene Türklopfer, deren Köpfe denen von Reptilien glichen. Die Griffe schienen lange Zungen darzustellen. Doch bevor er auch nur darüber fantasieren konnte, was dies wohl zu bedeuten hatte, zog er an einem und lies den Klopfer gegen die Tür fallen. Zu seiner Verwunderung, öffnete sich sogleich das gesamte Tor ohne weiteren Aufwand. Ein lautes Quietschen und Knarren ertönte und gewährte ihm schließlich einen Blick in das Innere des Gebäudes.

Leicht beunruhigt, betrat er vorsichtig das alte Gemäuer. Hallo?! Ist da Jemand?“ rief er zaghaft hinein. „Normalerweise würde ich mich darüber lustig machen, wenn hier jemand einfach so hereinspazieren würde, aber wenn man selbst vor der Wahl steht, ist es einfach zu verlockend.“, dachte er sich mit einem vor Freude strahlendem Grinsen, während er mit dem Zeigefinger an seiner Nasenspitze rieb und behutsam seine Entdeckungsreise begann. Er ging aufgeregt durch den Eingangsbereich, bei dem Gedanken, dass er eigentlich nicht hier sein sollte.

Kurz darauf betrat er die große Halle. Vor ihm bauten sich einige Holzbänke auf, die durch die angezündeten Kerzen, aus den Vorräumen der Seitengängen, in ein sanftes, warmes Licht getaucht waren. Steinerne Rundbögen und Statuen gehörten ebenfalls zur Einrichtung. Der rote Teppich in der Mitte des Ganges führte zu einer Art Altar. Gwyn folgte diesem Pfad. Er war noch immer aufgeregt, obwohl er nichts ungewöhnliches oder abnormales bemerkte. Im Gegenteil: Ein familiäres Gefühl machte sich in ihm breit. Im Vorbeigehen strich er mit seiner linken Hand über die Bänke. Kurz darauf hielt er sich beide Hände trichterförmig vor den Mund: „Hallo?! Das Tor war bereits offen. Ich hoffe, es stört Sie nicht, dass ich selbst einen kurzen Besuch abstatte. Ich wollte nur Bescheid geben, dass das Schloss eventuell ausgewechselt werden sollte.“.

Das ist jedenfalls der einzige Grund, bei dem ich mich traue ihn zuzugeben.“, ging es ihm durch den Kopf. Doch auch als nach erneutem Rufen niemand antwortete, senkte er seine Arme wieder. „Als ob es hier irgendjemanden interessieren würde.“, flüsterte er anschließend.

Er begann sich weiter umzusehen, bis er beinahe am Ende des Teppichs angekommen war. Das Licht der Kerzen schien hier besonders schwach und er hatte große Mühe den Altar detailliert zu erkennen. Sein Blick wanderte von dem schmalen Fuß des Sims bis nach oben.

Er versuchte angestrengt die Silhouette vor sich zu erkennen, indem er seinen Hals verkrampft nach vorne streckte und sich Falten auf seiner Stirn bildeten. Allmählich gewöhnten sich seine Augen an die Dunkelheit und ermöglichten es ihm, erste Details ausfindig zu machen. Es handelte sich bei dem Werk anscheinend um ein massives Kreuz, nichts ungewöhnliches. Doch da war noch etwas anderes. Etwas das ihm merkwürdig vorkam. Sein Blick wurde noch konzentrierter, die Atmung ruhiger und seine Sinne schärfer.

WAAAAHHHHH!“ schrie er plötzlich laut auf, während er über seine eigenen Füße nach hinten stolperte und mit seinem Kopf an eine der Holzbänke knallte. „Was zur Hölle ist das?!“ rief er außer sich.

Das ungewöhnliche Etwas, dass eben noch an dem Kreuz befestigt war, bewegte sich. Es rutschte von seinem Platz, bis es schließlich mit einem dumpfen Schlag auf dem Boden aufkam.

Es war etwas, dass bis vor wenigen Sekunden noch völlig unbeweglich und starr auf dem Altar thronte. Er wollte nicht darüber nachdenken, was es sein könnte und wer dafür verantwortlich war. „Je länger du still sitzt, desto näher kommen die Wölfe um dich zu holen. Dass du nicht mehr weg kannst, merkst du erst, wenn es zu spät ist.„, ging es ihm durch den Kopf.

In seiner Panik stützte er sich von der Bank ab und rannte so schnell er nur konnte zu der Tür, durch die er gekommen war. In seiner Eile stolperte er über seine eigenen Beine, keuchend, ohne sich nochmal umzudrehen. Er knallte mit seinem Körper gegen die Pforte der Kathedrale. Doch es war ihm egal. Er merkte es nicht mal. Das einzige woran er denken konnte war seine Flucht. Seine Verzweiflung stieg, als er an der Eingangstür rüttelte und nichts geschah.

W-wie kann das sein?! W-was geschieht hier?!“, stammelte er in seiner Fassungslosigkeit.

Die Tür war doch eben noch offen. Niemand hat sie geschlossen und selbst wenn, wie hätte ich das überhören können?! Was zum Teufel ist hier nur los?!“, dachte er sich, während seine Gedanken rasten um die Situation zu verarbeiten. Doch ehe Gwyn innehalten konnte, um sich und seine Gedanken zu sammeln, hörte er ein schweres Rasseln von Ketten, die über den steinigen Boden und den Teppich schleiften. Er drehte sich reflexartig um. Ein Schauer jagte über seinen Rücken und seine Pupillen weiteten sich, als er sah, wie eine schwarze Silhouette begann sich aufzurichten und auf ihn zu zumarschieren. In seiner Angst bemerkte er nicht einmal, wie es ihn schrittweise zurück trieb. Seine Stirn schwamm in Schweiß und die ersten Tropfen landeten auf dem Boden.

Er versuchte zu rationalisieren was passierte, doch je mehr er versuchte nachzudenken, desto ängstlicher wurde er. Sein Herz fing mit jedem Wimpernschlag an, schneller zu schlagen, während das Geräusch der Ketten immer näher kam.

Oioi!“, rief der Schatten ihm zu. „Wie kann man nur so unhöflich sein?“, sprach eine männliche Stimme. Das einzige was sich Gwyn allmählich zu erkennen gab, war eine fast schon menschenähnliche Gestalt. Ein lautes Knacken war zu hören, als der Schatten mit seiner Hand an seinen Nacken fasste und diesen ruckartig von rechts nach links einrenkte.

Es war ihm alles zu viel. Er wollte nicht wissen, wer oder was das war, oder woher es kam. Mit diesem Ding reden wollte er schon gar nicht. So versuchte er erneut die Tür hinter sich aufzurütteln. Seine Fingernägel versuchten sich an dem Stahl fest zu krallen, doch ohne Erfolg. Er war gefangen, wie eine Maus in einem Labyrinth ohne Ausgang. In seiner Verzweiflung griff er, in der gedimmten Beleuchtung, nach dem Erstbesten was er in die Finger bekam und schleuderte so einen der Kerzenständer in Richtung der Kreatur. Beinahe wie in Zeitlupe, sah er wie der Ständer sich mehrmals um die eigene Achse drehte und die Flammen der Kerzen dabei erloschen.

Plötzlich zog ein gewaltiger Windsturm an ihm vorbei und er hielt sich schützend die Arme vor sein Gesicht. Sein Mantel flatterte wie wild im Wind und zugleich war die Kreatur spurlos verschwunden.

Der Rückstoß des Windes sauste durch die komplette Halle und zwang ihn beinahe in die Knie. Der Kerzenständer flog zu Boden und hatte bereits sein Ziel verfehlt. Am liebsten hätte Gwyn seine Augen zugenäht, damit er sie nie wieder öffnen musste. Das Gefühl in seinen Fingerspitzen verließ ihn und er betete, dass es sich nur um eine Einbildung seines übermüdeten Geistes handelte.

Oi! Ich rede mit dir.“, erklang es erneut, diesmal links von Gwyn, der mit einem weiteren Aufschrei zur Seite sprang. Jetzt konnte er die Kreatur erkennen. Sie saß gelassen, in der Hocke, im schwachen Licht auf der Lehne einer Bank. Grüne, spitze Pupillen schimmerten ihn bedrohlich an. Die Augen einer Schlange, die ihre ahnungslose Beute anvisierte. So sehr er auch Angst hatte, so sehr war er von den Augen fasziniert. Gwyn nutzte den Moment, um dieses Etwas zu mustern.

Dieses Ding war menschenähnlich, scheinbar männlich und ein wenig größer als er selbst. Gehüllt in einen langärmeligen, schwarzen Mantel auf dem grüne Glyphen eingeebnet waren und einer Kapuze, die fast das ganze Gesicht verdeckte. Sein Oberkörper war in ein schwarzes Gewand gekleidet, welches einer Art Weste ähnelte und mit verschiedenen silbernen Gürtelschnallen verziert war. Die Gürtelschnallen waren mit braunen Lederriemen befestigt. Darunter trug er ein schlichtes, weißes Hemd. Seine Kleidung war eng an seiner athletischen Statur anliegend. Die Ärmel waren von grauen Ketten umschlungen, welche an einigen Stellen in seinem Mantel verschwanden und an anderen wieder zum Vorschein traten. Alleine der Anblick seiner klauen-artigen Hände war furchteinflößend.

An der braunen Hose konnte er nichts ungewöhnliches feststellen. Dieses Ding trug einen unspektakulären Gürtel. Die braunen Stiefel, hatten einen metallenen Aufsatz an der Vorderseite. „Kikiki.“, ein ungewöhnliches Kichern schoss aus der Gestalt hervor, während sich ein breites, weißes Grinsen unter der Kapuze bildete. Gwyn lief ein Schauer den Rücken hinunter.

Ihm stand jedes einzelne Haar zu Berge und sein Herz hörte für einen kurzen Moment auf zu schlagen. Die weißen, reiß-artigen Zähne, die ihn im Kerzenschein anlächelten, waren das furchterregendste was er je gesehen hatte.

Ich hoffe dir ist bewusst, was meine Ankunft für dich bedeutet, kleiner Mensch.“, frohlockte der Mann, während er von der Bank hinab hüpfte und sich vor Gwyn aufbaute. Doch bevor dieser antwortete, war er bereits tiefer in die Halle geflüchtet und verkroch sich in einer dunklen Ecke. „Fufu“, lachte es erneut und aus dem mild beleuchteten Saal fokussierten sich die unheilvollen grünen Augen wieder nur auf ihn. Sie schienen sich bis tief in seine Seele zu bohren. Je länger sich ihre Blicke kreuzten, desto mehr verspürte Gwyn einen stechenden, immer stärker werdenden Schmerz in seiner Brust.

Weißt du… ich hatte immer gehofft, dass sich auch für mich eines Tages die Pforte öffnen würde.“, gab er von sich, während er beide Fäuste an seine Taille anlegte und sich interessiert umsah.

Ay, ay.“, seufzte er anschließend, während er sich mit seiner Hand am Hinterkopf kraulte, „Es kommt mir alles noch wie ein verschwommener Traum vor. Kennst du das Gefühl? Als sollte man sich an etwas erinnern, aber man weiß einfach nicht an was.“.

Während die Gestalt anfing mit sich selbst zu reden, griff Gwyn in seiner Panik nach den nächsten Gegenstand, den er finden konnte. Er fand den Spendenteller in der Nähe des Altars und warf ihn in die Richtung des Fremden. Doch auch dieser verfehlte sein Ziel. Wie von Zauberhand sah Gwyn, wie die menschlich erscheinende Kreatur verschwand und auf der anderen Seite des Saales wieder auftauchte, noch immer vertieft in seinen Monolog.

Jetzt wo es endlich so weit ist, weiß ich gar nicht wie ich mich verhalten soll. Ich meine, wer weiß schon was für ein verschrobener Kerl du bist, wenn ausgerechnet ich hi-…“. Erneut wurde dieser Satz nur unterbrochen, weil Gwyn einen Gegenstand warf, von dem er selber nicht wusste, was es war. Der Fremde tauchte einen Meter neben dem Gefäß auf, welches nun klangvoll zu Boden ging und eigentlich ihm gewidmet war.

Ich hab’s!“, verkündete er voller Begeisterung, während er seine Faust auf seine flache Hand fallen ließ.

Du!“, und wandte sich blitzartig in Richtung Gwyn, welcher bereits einen weiteren Kerzenständer griffbereit hielt. Ein erneuter erfolgloser Wurf folgte. Alles schien vergebens. Gwyn konnte es nur als eine Art Teleportation bezeichnen. Plötzlich war die Gestalt an einem komplett anderen Ort als zuvor. Der aufgewirbelte Staub und der Rückstoß, waren die einzigen übriggebliebenen Indizien seiner Präsenz.

So, Schluss jetzt mit dem Theater kleiner Mensch! Du hörst mir jetzt gut zu, ansonsten garantiere ich für nichts.“, er tauchte plötzlich vor Gwyn auf und packte seine Hand, während er sein Gesicht beinahe auf das von Gwyn presste. Mit seiner anderen Hand spreizte er die Augenlider an Gwyns rechtem Auge weit auseinander. Gwyn dachte, er würde ihm sein Auge herausreißen wollen.

Es war das erste Mal dass die merkwürdige Gestalt und er Angesicht zu Angesicht standen.

Du und ich, wir sind ab heute Partner.“, seine grünen Reptilienaugen zogen sich fest zusammen, während sie tief in die ängstlichen Augen Gwyns schauten.

Ich hatte zwar eigentlich vorerst nicht daran gedacht mich mit dir anzufreunden, aber da ich dank dir endlich frei bin, will ich mal nicht so sein. Jetzt können wir die Welt auch gemeinsam auf den Kopf stellen. Was sagst du?!“, doch Gwyn blieb stumm und so fuhr der Fremde fort.

Dachte ich’s mir doch. Du bist der selben Meinung. Fabelhaft! Lass uns loslegen und die Realität aus den Angeln heben.“. Ohne dass Gwyn auch nur ansatzweise den Mut aufnehmen konnte um zu antworten, beendete die Figur das Gespräch und übernahm auch seinen Anteil der Konversation. Verängstigt sah er ein, dass jeder weitere Versuch sich zu wehren hoffnungslos war. Doch irgendetwas ließ ihn nicht los. Das Gefühl einer kleinen Glut, die tief in seinem Unterbewusstsein glühte und nur darauf wartete entzündet zu werden, schlummerte in ihm.

W-wie machst du das?“, brach es plötzlich aus ihm hervor. „Wie mache ich was?“, hakte der Mann unbekümmert nach. „Diese merkwürdige Teleportation. So etwas habe ich noch nie gesehen.“, Gwyns Augen fingen beinahe an zu Funkeln vor Neugier. „Kiki, ach das?! Das soll was besonderes sein?“, fragte er in seinem selbstgefälligen Ton. Sogleich verschwand er auch wieder vor Gwyns Augen und tauchte hinter ihm, auf der Spitze des Altars, mit weit ausgestreckten Armen

wieder auf. „Das ist keine Teleportation. Dein kleines Menschen Auge ist einfach nur viel zu langsam.“, erklärte er herablassend. „Herrje sind alle Menschen so leicht zu beeindrucken wie du? Ich dachte derjenige, der mich befreit, wäre jemand besonderes. Doch ich langweile mich jetzt schon. Hm?!“, er hielt plötzlich inne, als er die Ketten an seinen Armen bemerkte.

„Befreit? Was soll das bedeuten? Wer bist du?“, fragte Gwyn bestärkt in seiner Neugier. Doch konnte er nur verdattert zusehen, während der Angsteinflößende sich spielerisch und fast schon krampfhaft, versuchte, die Ketten von seinem Ärmel abzureißen – jedoch ohne großen Erfolg.

Huh? Sie gehören also nicht zu ihm? War er also doch eine Art Gefangener?“, fragte sich Gwyn innerlich. „Hey!“, rief er in der Hoffnung, die Aufmerksamkeit seines Gegenüber zu erlangen. „Antworte mir endlich! Wer bist du und was willst du von mir?!“. Augenblicklich stoppte der mysteriöse Mann jede Bewegung und drehte seinen Kopf langsam in die Richtung von Gwyn.

Vor einer Sekunde noch hätte ich schwören können du machst dir in dein Höschen. Was ist passiert?! Hast du plötzlich Eier bekommen oder bist du einfach nur unglaublich naiv Bürschchen, hae?!“.

W-wenn du mir etwas hättest antun wollen, hättest du es bereits getan.“, erwiderte er zaghaft.

Kikikii, vielleicht spiele ich einfach nur gern mit meinen Opfern bevor ich sie foltere.“, hörte er es von der Kreatur lachen, während diese sich nun komplett vor Lachen schüttelte und über Gwyns Äußerung amüsiert war.

Du hast ja keine Ahnung in was für einer Situation du dich befindest, oder? Es mag vielleicht stimmen, dass ich deine kleinen schlotternden Knochen für den Moment noch aneinander lasse, doch gibt es hiervon kein Zurück mehr. Wir sind ab Heute eins.“, blitzschnell tauchte er auf einer der Bänke neben Gwyn auf und streckte sich mit einem gelangweilten Gähnen.

Mit einem Grinsen fuhr er fort: „Der Moment, in dem du mir die Freiheit gewährt hast, hat unser beider Schicksal besiegelt. Deine Realität wird ab heute nie wieder dieselbe sein. Dein altes Leben ist für immer vorbei. Eine Verantwortung, vor der man nicht davonlaufen kann. Ich bin gespannt, ob du zu irgendetwas zu gebrauchen bist.“.

Und was ist wenn ich einfach gehe? Willst du mich dann umbringen? Es fällt mir schwer so einen Unsinn zu glauben.“, echauffierte sich Gwyn, ganz zur Überraschung des Unbekannten.

„Ho?“, wunderte der sich, als er in die Augen von Gwyn sah, die von einer eigenartigen Aura umgeben waren, die zuvor nicht nicht präsent war. Es schien beinahe so, als wäre es dem jungen Mann gelungen seine Angst zu unterdrücken und sich seiner wirren Situation zu widersetzen.

Nun gut kleiner Mann, du hast mich überzeugt. Ich spüre deine Willenskraft. Drum lass dich nicht von mir aufhalten.“, befürwortete der Fremde ihn aus heiterem Himmel und begann mit seiner Hand übermäßig stark zum Abschied zu winken.

Kämpfe für dein Vaterland. Impfe deine Kinder mit deinen Idealen und infiziere dein Leben mit Belanglosigkeiten. Von hier an und für alle Zeit mögest du frei sein.“, er klatschte daraufhin zwei mal theatralisch in seine Hände, sodass ein Echo bis ans andere Ende der Halle erklang.

Mit einem Mal schlug die gewaltige Pforte der Kathedrale sich erneut auf. Dies geschah mit einem derartigen Ruck, dass man hätte meinen können, sie wird gänzlich aus ihrer Verankerung gerissen, während ein lautes Rumoren durch das Bauwerk zog und durch Gwyns Knie zitterte.

Wirklich? Ich kann einfach so gehen?“, atmete Gwyn erleichtert und erstaunt auf, als er die frische Abendluft von draußen schon förmlich riechen konnte. Der Fremde winkte ihn gleichgültig ab, woraufhin Gwyn nicht länger überlegte und in Richtung Ausgang los rannte. Endlich würde er frei sein und dieser Alptraum wäre vorüber. Er rannte so schnell seine Beine ihn trugen, bis er an dem Springbrunnen vor dem Gebäude heil angekommen war.

Deine Eltern haben dich nicht zufällig in den Keller gesperrt, weil du etwas ganz besonderes warst, oder?“, ertönte eine Stimme über ihm, auf der Spitze des Brunnens. Vor lauter Schreck riss es Gwyn mit einem weiteren Schrei zu Boden.

Ich hab dir doch gerade erst erklärt, dass es kein Zurück mehr gibt. Hörst du den Leuten nicht zu wenn sie mit dir reden? Ich weiß ihr Menschen seid Meister des Egoismus, aber das ist nun wirklich kein Teamgeist.“.

Warum?! Was passiert hier nur? Warum ich?“, er brabbelte nun unkontrolliert aus, was ihm gerade in den Sinn kam, als die Hoffnung die ihm gemacht wurde, zu erlöschen drohte.

Glaube mir, ich bin auch nicht sonderlich begeistert.“, seufzte der unheilvolle Kerl enttäuscht, „Ausgerechnet ich kann das spezielle Kind der Krabbelgruppe betreuen. Machen wir einfach das beste daraus. Ok?“. Gwyn konnte es immer noch nicht glauben. Es musste sich einfach um einen bösen Traum handeln. Seine Hände vergruben sich tief im Kies, während seinem Verstand die Erklärungen ausgingen. „W-wie kann das nur sein? Warum ich?!“.

Nun ist aber Schluss Kleiner! Nicht einmal ich bin so unhöflich.“, der Fremde hielt inne. „Ach, Moment.“, bemerkte er blitzartig und streckte seinen langen Zeigefinger zum Himmel. „Ich weiß was uns fehlt. Wir haben uns gar nicht richtig vorgestellt. Nun gut. AHEM.“, räusperte er sich und begann zu verkünden, „Mein Name ist Delirias. Es freut mich deine Bekanntschaft zu machen. Möge unsere Reise ereignisreich sein und die Welt verändern.“, er reichte Gwyn seine in Ketten gehüllte Hand. Doch Gwyn war starr vor Angst. „Was?! Zu dick aufgetragen? Ach Quatsch. Und nun hoch mit dir!“ lachte der Mann ihn hämisch an.

Wie kannst du verlangen, dass ich das einfach so akzeptiere?!“, antwortete Gwyn wie in Trance. „Es gibt kein Entkommen. Also: auf, auf kleines Häschen.“, Delirias klatschte dabei in die Hände als würde er mit seinem Haustier sprechen. „Je länger du still sitzt, desto näher kommen die Wölfe um dich zu holen. Dass du nicht mehr weg kannst, merkst du erst, wenn es zu spät ist.“.

Gwyn krallte sich mit seinen Fingern an seinem eigenen Gesicht fest „W-was geht h-hier bloß vor sich?“, stammelte er mit weggetretenem Gesichtsausdruck vor sich hin, während er sich zusammen kauerte.

Hmm?! Nun gut. Eigentlich wollte ich es dir nicht sagen, aber du hast mich ertappt. Bist du nun zufrieden?! Wiedermal ein Mensch, der es nicht abwarten konnte direkt hinter die Kulissen zu blicken und die wundervolle Illusion auszulöschen.

Dir ist schon bewusst, dass ein Mysterium auch etwas positives sein kann, oder?!“, Delirias verfiel in einen manischen Redefluss. „Die Illusion ist weg, der Vorhang auf, der Zauber gebrochen. Der Assistent ist geteilt und das Publikum am Boden. Habt ihr nun was ihr wolltet, oh großer Meister? Nein?! Wie viel braucht es noch, bis ihr endlich zufrieden seid?!“, sprudelte es ohne Pause aus dem Mann heraus, während dieser überschwänglich vor Gwyn auf und ab marschierte. Er warf sich die Kapuze seines schwarzen Mantels über und verstellte seine Stimme.

Ich bin ein Gott, eine höhere Macht. Allein hierher gereist, nur um dir deine tiefsten Wünsche und Sehnsüchte zu erfüllen“, flüsterte er plötzlich in Gwyns Ohr, während lediglich die grünen Augen und ein fieses Grinsen unter dem Schatten der Kapuze erkennbar waren.

Ein bisschen Dankbarkeit wäre nicht fehl am Platz, findest du nicht auch? Kikiki…“, kicherte Delirias vor sich hin, während er sein Gesicht zum Himmel streckte.

Es reicht.“, sagte Gwyn, als hätte er bemerkt, dass seine Angst nur zum Spot diente, „Noch bin ich nicht verzweifelt genug, um solchen Schwachsinn zu glauben.“, allmählich rappelte er sich auf und putzte sich die kleinen Kieselsteine von der Kleidung.

Und genau aus diesem Grund werde ich jetzt gehen. Mach was du willst. Noch nie habe ich so einen Unsinn erlebt.“. Zum ersten Mal war Delirias ernsthaft interessiert an Gwyns Verhalten. Ebenso wie er es schaffte problemlos zwischen infantilen Späßen und unheilvollen Drohungen zu wechseln, so hatte auch Gwyn innerhalb weniger Sekunden ihr Treffen als banalen Streich seines Geistes abgestempelt und war im Begriff zu gehen. „Du spielst mit meinen Gefühlen. Haben wir uns nicht gerade erst kennengelernt? Solltest du mich nicht zumindest zum Essen ausgeführt haben, bevor du mich verlässt?“, stichelte Delirias weiter, der die Situation sichtlich genoss.

Ohne weitere Bemerkung verließ Gwyn augenblicklich das Areal und tatsächlich schien das seinen Zustand zu stabilisieren. Nicht länger schien er verfolgt zu werden, von der wahnsinnigen Gestalt die sich selbst Delirias nannte. Er sah sich auf dem Weg zurück noch einige Male um, doch nirgends war auch nur eine Spur von der Gestalt zu sehen. Die Stimme verstummte, die Schatten verschwanden und das Lachen versiegte. Alles war ruhig, bis auf den seichten Abendwind der durch seine Kleidung flatterte.

Angekommen an seiner Haustür, der gewohnten Nr. 221A, griff Gwyn tief in die Seitentasche seines Mantels, auf der Suche nach seinem Schlüssel. Als er schließlich fündig wurde, bemerkte er, wie ein schweres Objekt mit einem stumpfen Knall zu Boden fiel. Ohne groß nachzudenken, beugte er sich um nachzusehen. Doch während er seine Hand danach ausstreckte, zuckte er plötzlich zusammen. Vor ihm lag ein geöffnetes Metallschloss, allerdings ohne den dazugehörigen Schlüssel. Lediglich Dellen und Spuren von Abnutzung an der Seite, wo das Schloss geöffnet worden war, waren zu sehen. „Das reicht!“, rief er lauthals. Er hatte endgültig genug. Bereits zu oft, hatte er sich heute seine Schwächen eingestanden und beinahe den Verstand verloren. Sogleich beförderte er das Stück Metall mit einem schwungvollen Wurf in das nächstgelegene Gebüsch und kümmerte sich nicht weiter darum.

Er öffnete die Tür zu seinem Haus und ließ sie langsam hinter sich zufallen. Wie so oft tat er so, als hätte er etwas nicht gesehen. Dadurch musste er sich nicht weiter damit auseinanderzusetzen. Eines bemerkte er dabei jedoch nie. Sein Unterbewusstsein vergaß nichts. Ausgelaugt und müde schloss er seinen Tag in Gedanken ab, während seine Augen in seinem Bett allmählich zufielen. Die grünen Augen einer verstörenden Gestalt blitzten ein letztes Mal furchteinflößend vor seinem geistigen Auge auf, bis sein Körper schließlich seiner Erschöpfung nachgab und er in das Land der Träume abdriftete.

Dich Sah Ich Wachsen

Er schaute sie noch immer gerne an. Für John war sie das Symbol dafür geworden, dass alles gut werden kann, wenn man bereit ist, sich den umgebenden Herausforderungen zu stellen. Gemeinsam hatten sie viel durchgemacht. Und auch, wenn er den Glauben an sich oft verloren hatte, an sie hatte er immer geglaubt.

Im Alter von 6 Jahren, John wohnte mit seiner Mutter in der Torstraße in Berlin – ehemals Wilhelm-Piek-Straße – , wurde John die Aufgabe zu teil, Yasmin zu beschützen. Er weiß es noch wie gestern. Es war ein feierliches Ritual. Alle ihm zu Ehren erschienenen Gäste feierten den Tag seiner Einschulung. Es gab viele Geschenke, von denen er die meisten mit den Jahren weggeschmissen und vergessen hatte. Kaum zu glauben, dass sie auch ein Geschenk war. Er wusste nicht mehr genau, von wem er sie bekam. Allerdings wusste er noch genau, wie sehr sie ihm gefallen hatte und wie sehr er sich über sie freute. Sie war lebendig und wunderschön.

Doch wie das so ist mit neuen Dingen: John verlor ziemlich schnell das Interesse an ihr. Und bald war sie halt nur noch da. In dieser Zeit kümmerte sich seine Mutter um sie. Die Zeit verging und hin und wieder blickte John Yasmin an. Er respektierte, wie sie sich stetig weiterentwickelte. Sie erwartete nicht viel von anderen und war dabei selbst sehr leistungsorientiert.

Als John 18 wurde, zog er aus. Er nahm Yasmin mit. Seine erste eigene Wohnung war in einem Hinterhof, sehr nahe am Mauerpark, in der Korsörer Straße. Sie war ziemlich düster und obwohl sie relativ weit oben war, schien nie die Sonne herein. Das gefiel Yasmin nicht. Oft war John traurig und er wusste nicht, was aus ihm werden sollte. In dieser Zeit ließ er sich gehen. Oder: er wurde gehen gelassen. Man hatte ihn einberufen und so machte er den Grundwehrdienst. Er mochte Gewalt nicht. Es wäre ein leichtes für ihn gewesen, sich davor zu drücken. Doch er ließ es über sich ergehen. Danach wurde ihm vom Jobcenter eine Ausbildung aufs Auge gedrückt. Auch diese Jahre hatte er erfolgreich absolviert. Aber halt nur weil man ihn dazu drängte und mit Sanktionen drohte. Es geschah wenig aus ihm heraus.

Auch Yasmin fiel dieser Antriebslosigkeit zum Opfer. Er kümmerte sich zu wenig um sie. Um so erstaunter stellte er gelegentlich fest, dass sie nicht aufgab. Sie war sehr bescheiden. Doch auch die wenigen Bedürfnisse die sie von ihm zu befriedigen wünschte, konnte er nicht bedienen. Und dennoch: Sie machte weiter.

Im Alter von 23 Jahren zog John mit einem Mädchen zusammen in die Binzstraße in Pankow. Ihr Name war Nina und sie war sehr liebevoll. Sie behandelte John trotz seiner oftmals selbstzerstörerischen Art sehr gut und war nachsichtig mit ihm. Ich denke, Nina glaubte an John, wie John an Yasmin.

Die Jahre in der Hinterhofwohnung hatten ihre Spuren an Yasmin hinterlassen. Ihr Hals war lang und dünn und konnte den schmalen kleinen Kopf kaum halten. Die neue Wohnung hatte einen Balkon im vierten Stock – Südseite. Das bedeute es war die meiste Zeit des Tages schön sonnig und sehr windig. John konnte Yasmin nicht mehr leiden sehen. So entschied er sich kurzerhand, ihr den Kopf abzuschneiden.

Nach einigen Wochen in einem Wasserglas bildete Yasmins abgetrennter Kopf kleine Wurzeln am unteren Ende, mit denen sie zu verstehen gab, dass sie wieder eingepflanzt werden möchte. John tat, wie sie verlangte und stellte sie dann auf den Balkon. Sie entwickelte sich hervorragend und John liebte sie dafür. Der ehemals kleine Kopf bildete einen kräftigen Hals aus, der nach kurzer Zeit zu einem ansehnlichen Stamm reifte. Nach all den Jahren des Leides war sie dennoch im Stande im richtigen Moment alles zu geben was geht. Er schaute täglich nach ihr und ob sie alles hatte, was sie brauchte.

Zu Yasmins Bedauern trennten sich Nina und John bald. Die Zeit in Pankow hatte ihr sehr gut getan und es war ungewiss wohin es sie beide nun ziehen würde. Nach ein paar Monaten bei einem von Johns Kumpels zogen sie gemeinsam in eine Wohnung in der Berliner Allee, direkt am Antonplatz. Es war eine schöne Wohnung mit einem amerikanischen Wohnzimmer. Allerdings schien hier wieder keine Sonne rein und es gab keinen Balkon. Dafür war die Wohnung hell. Yasmin hatte sich wieder zu einer kleinen Schönheit entwickelt. Sie hatte einen kräftigen Stamm und einen schönen Kopf mit vielen Blättern. John gab ihr regelmäßig Wasser und setzte sich oft zu ihr. Sie kannten sich mittlerweile seit 20 Jahren und John war sich ihrer Bedeutung für sein Leben bewusst. Er hätte auf alles in diesem Haus verzichten können. Aber nicht auf sie. Zu dieser Zeit ging es ihm wesentlich besser als mit 18 und sie war die einzige Zeugin seiner gesamten Entwicklung. Nüchtern betrachtet stellte sich die Frage, wer hier wem beim wachsen zu sah. Er ihr? Oder sie ihm? Oder, oder sie sich.

Für John sollten jedoch negative Entwicklungen folgen, die Yasmins Entwicklung später postiv beeinflussen würden.

John war den Arbeitsalltag leid und so entschied er sich zu kündigen. Er hatte keine Ahnung, was er machen sollte. Er hatte ein bisschen Geld gespart, um die nächsten Monate durch zu kommen. Er wollte nicht wieder zum Arbeitsamt. Es bot sich ihm ein Möglichkeit, auf Rechnung Geld zu verdienen. Das heißt er konnte sich seine Zeit selbst einteilen und wenn er mal keine Lust hatte zu arbeiten, nahm er den Job halt nicht an. Mit der Zeit musste er jedoch feststellen, dass sein Erspartes immer weniger wurde und die monatlichen Einnahmen oft nicht reichten, um seine Ausgaben zu decken. Es kam wie es kommen musste. Zuerst konnte er die Krankenversicherung nicht mehr bezahlen, dann die Miete. Die fristlose Kündigung seitens des Vermieters, zu dem von Anfang an kein gutes Verhältnis bestand, ließ nicht lange auf sich warten, nachdem John die Mietzahlungen ausetzen musste. John und Yasmin zogen zu Johns Oma nach Mahlsdorf. Johns Oma wohnte in einer Doppelhaushälfte mit einem Garten. Das war das Paradies für Yasmin. Hier stand sie nun im kommendem Jahr vom Frühling bis zum Herbst und konnte wachsen und wachsen. John betrachtete sie oft andächtig und fragte sich gelegentlich, wie aus diesem kleinen Pflänzchen, mit dem dünnen, schmalen Hals nur so ein schöner Baum werden konnte.

John ging wieder einer geregelten Arbeit nach und arrangierte sich mit dem Alltag. Er hatte nun schmerzhaft am eigenen Leib erfahren, was passierte, wenn er von jetzt auf gleich und ohne Plan versuchte auszubrechen. Eines Tages kam er nach der Arbeit nach Hause, ging in den Garten, wo er sich voller Hingabe Yasmin widmete. Zu seinem entsetzen stellte er fest, dass sie eine Wunde hatte. Diese Wunde war beinahe lebensbedrohlich. Jemand hatte ihr ein leicht trockenes Blatt abgerissen. Der Riss war so tief, dass die Stabilität des Kopfes gefährdet war. John war außer sich und stellte seine Oma zur Rede. Diese meinte, man müsse die trockenen Blätter eben entfernen. Sie gab ihm den Tipp Yasmin zu köpfen und den Kopf einfach neu einzupflanzen. Yasmin köpfen… päh. Damit würde er mal eben 4 Jahre Pflege zu Nichte machen. Und das nur, weil er mal kurz nicht aufgepasst hatte. Die Oma hatte Recht. Man konnte und sollte die trockenen Blätter entfernen. Allerdings musste man diese abschneiden, sodass man der Pflanze keinen Schaden zufügte. Die Wunde heilte langsam und wurde zu einer Narbe. Yasmin kam drüber hinweg, ohne dass sie erneut geköpft wurde. Nach ein paar Monaten war die Stelle, die einmal eine Wunde war, sogar noch härter, als der Rest des Stammes.

John bezahlte alle seine Schulden und nahm sich bald wieder eine eigene kleine Wohnung. Er achtete darauf, dass sie günstig war, damit er nicht mehr so viel arbeiten musste. Was aber wichtiger für ihn war, sie musste einen Balkon haben. Der Garten der Oma hatte ihn wieder in Erinnerung gerufen, wie wohl sich Yasmin im Freien fühlte, wenn es warm war.

Die Jahre vergingen und Yasmin bekam hin und wieder einen größeren Topf. Wenn es kalt wurde nahm er sie rein und wenn es warm wurde, stellte er sie raus. Eines Tages stellte John fest, dass sie größer geworden war, als er. Und er dachte bei sich, wie schön, dass sie noch bei ihm war und nie aufgegeben hatte.

Eine Tolle Karriere – Part 1

Was ist moralisch verwerflicher: Einen für die Mehrheit beschissenen Zustand aus Eigeninteresse mit edlen Worten zu vertuschen oder einen für die Mehrheit beschissenen Zustand aus Eigeninteresse mit beschissenen Worten zu benennen?

Ich hatte mal wieder einen Jobwechsel hinter mir. Mein neuer Job war die Art von Job, die man macht, um Geld zu verdienen. Nicht die Art von Job, bei der man Erfüllung findet und am Ende des Tages zurückblickend sagt: „Wow! Heute war ein toller Tag und ich habe einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft geleistet.“. Nein, so ein Job war das nicht. Es war ein Job in einer kleinen Firma, die sich auf den Großhandel von Smartphone Zubehör spezialisiert hatte. Ich hasse Smartphones. Insgesamt waren wir vielleicht 25 Mitarbeiter. Meine Aufgabe war es Produkte rückabzuwickeln, die innerhalb der Gewährleistungszeit Defekte aufwiesen und zurück gegeben wurden. Die einzelnen Schritte dieser Abteilung waren so erbärmlich monoton, dass ich mir jegliche Details an dieser Stelle spare. Die Kollegen aus dem Lager stapelten uns die Scheiße Palettenweise vor die Tür. Es war die Art von Job, bei der man es mit einem Chef zu tun hat, der alle paar Wochen braungebrannt vorbei schaut, die Zahlen checkt und den guten Kumpel spielt, während er dir sonst ins Gesicht scheißt, indem er dir einen so beschissenen Lohn zahlt, dass es gerade reicht, um dich am Wochenende so zu besaufen, um die vergangene Woche zu vergessen und die nächste zu überstehen. Kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keine Perspektive. Nur ein verfickter Gehaltsstreifen und ein paar erbärmliche Kröten. Mein Arbeitsplatz befand sich am Rande des Lagers. Die Kollegen strahlten Resignation aus. Diese wurde nur durch ihren Sarkasmus übertroffen. Ich wusste nie wer was Ernst meint. Außer wenn es um den Job ging. Hier waren alle Todernst. Ein Blick in ihre leeren Augen ließ mich oft daran zweifeln, dass sie überhaupt noch lebten.

Hättest du in der Schule doch nur besser aufgepasst!“, hörte ich mir oft, eine Stimme vorwerfen. Ja und dann? Was dann? Dann hätte ich wahrscheinlich nicht in dem beschissenen Lager gesessen, sondern in irgendeinem feschen Startup rumgepimmelt. Ich hätte dem schwuchteligen Gründer den Speichel meiner Vorgesetzten aus der Arschritze geleckt, in der Hoffnung, dass er mich nicht feuert, wenn er mal wieder schlechte Laune hat, weil ihm keiner glaubt, dass er Hetro ist, obwohl er der häßlichen Personal-Abteilungsleiterin zwei Kinder gemacht hat. Wahrscheinlich wäre es so ein Startup gewesen, welches seinen potenziellen Kunden, durch immens hohe Marktingbudgets, ein Produkt verkauft, was es so gar nicht gibt und seine Mitarbeiter nur durch die Spenden von sehr reichen Wohltätern bezahlen kann, die das ganze für eine gute Investition halten.

Nebenbei bemerkt, wäre das natürlich nur das Ziel gewesen. Erst einmal hätte ich meine kostbare Lebenszeit weiterhin damit verbringen dürfen, irgendeinem Wichser zu zuhören, der sich für ne große Nummer hält, weil er jahrelang den Scheiß auswendig gelernt hat, den dann ich auswendig hätte lernen sollen. In dieser Zeit hätte ich mir ausgemalt wie rosig das Leben schmecken wird, wenn der Müll vorbei ist, um dann endlich mit Ende Zwanzig eine Delikatesse aus Klabusterbeeren übergossen mit Vorgesetztenspeichel vom Arsch meines Geschäftsführergründers kredenzt zu bekommen.

Nein danke! Dann doch lieber die frustrierten Sarkasten von HandyCountry.

Wie einem das Leben aufs Maul hauen kann, habe ich schon früh gelernt. Dazu brauchte ich nicht auch noch ein jahrelanges Studium mit der Aussicht auf nen Arschkriecher Job.

Doch wie rauskommen aus der verfickten Scheiße? Wie zur Hölle rauskommen aus dem beschissenem Hamsterrad….

Fortsetzung folgt.

Die Künstlerin

Es war an einem Samstag Nachmittag im Januar. Ich saß in der Tram auf dem Weg zum Einkaufszentrum am S-Bahnhof Schöneweide. Trotz einer mehrtägigen Trinkpause schwirrte mir noch immer ein leichtes, dumpfes Katergefühl durch meinen Schädel. Eine gewisse Trägheit, welche nur durch den Konsum von Marie J ausgelöst wird, steckte mir zusätzlich in den Knochen.

Dieser Zustand, eine gewisse Betäubtheit, konnte meine Anziehung zum anderen Geschlecht jedoch nicht unterdrücken. Nichts kann das. Mein letzter Sex war sicherlich drei Wochen her. Und der war nicht gut. Der letzte gute war 7 Monate her. Und das ist eine verdammte lange Zeit.

Als ich so halb benebelt, mehr als sexuell ausgehungert in der Straßenbahn saß, sah ich wie an der Haltestelle Wilhelminenhofstraße Ecke Edisonstraße eine attraktive Frau in meine Bahn stieg. Sie trug ein Lächeln auf den Lippen und ich… ich hatte einen stehen. „Wann spreche ich sie wie am besten an?“, ging es mir durch den Kopf. Sie stellte sich hinter mich. Noch zwei Stationen bis ich raus musste.

Erfahrungsgemäß ziert sich das schöne Geschlecht, sobald man ihm gegenüber, auf so engem Raum und vor den Augen von Unbeteiligten, die eigenen Absichten offenbart. Erschwerend kam hinzu, dass die Dame hinter mir stand. Ich hätte ihr nach einer ziemlich umständlichen Drehbewegung erklären müssen, was man jemandem so erklärt, auf den man es abgesehen hat. Nicht sehr elegant. Es wäre vermutlich der Eindruck entstanden, ich hätte es sehr nötig.

Meine Beine wurden weich. Ich bekam Angst, meine Beute zu verlieren oder schlimmer noch: sie zu verscheuchen. Also bloß nicht in der Gesindelkutsche angreifen. Cool bleiben. Durchatmen.

S-Bahnhof Schöneweide“. Aussteigen Bitte! Ich zog es vor das öffentliche Reisegefährt gemächlich zu verlassen, während der Pöbel wie immer ein Wettrennen der Fetten und geistig Beschränkten veranstaltete. Nicht jedoch meine Beute. Während am Ausgang das Gestöhne und Gemecker begann, blieb sie hinter mir stehen. War der Moment günstig? Sollte ich attackieren? Nein – zu hektisch. Cool bleiben!

Sie ging an mir vorbei. Ich hinter ihr her. Zügigen Schrittes nahm sie Kurs auf den S-Bahnhof. Ich folgte ihr langsam. Der Abstand wurde größer. Sollte ich die Sache sein lassen? Was wenn sie nein sagte? Wozu überhaupt? Was wollte ich ihr denn sagen? „Hallo, schöne Titten! Bock zu bumsen?“ oder „Nja, mir ist da was aufgefallen. Du trägst da ein seltene Jeansjacke, wie ich sie zuletzt bei meiner Urgroßmutter sah. Wie du zu diesem Stück kamst, solltest du mir unbedingt bei einem Museumsbesuch erörtern.“. Scheiße! Zu meinen weichen Knien gesellten sich kalte Füße. Mir flogen Argumente durch den Kopf, warum es besser war, sie nicht anzusprechen. Und weil ich eigentlich nicht zur S-Bahn musste, sondern, du erinnerst dich, ein anderes Ziel hatte, stand ich nun vor dem Bahnhofsgebäude und sah zu, wie sie sich weiter und weiter von mir entfernte.

Und während ich mich meinen Zweifeln ergab, begannen meine Beine zu laufen. Erst Schritt für Schritt, dann immer schneller. Etwas in mir hatte entschieden. Ich musste sie unbedingt erreichen, bevor sie bei den Treppen ankam.

Um sie nicht zu erschrecken, durfte ich ihr nicht einfach von hinten meine Hand auf die Schulter legen. Also nährte ich mich von der Seite, bis sie mich aus dem Augenwinkel sehen konnte. Ich sagte: „Entschuldigung.“. Sie drehte ihren Kopf zu mir und blieb langsam stehen. Dummerweise stolperte sie über eine Kante, als sie mir ihren Körper zuwandte. Ich hielt sie am Arm und sagte: „Sorry, ich wollte dich nicht erschrecken. Du bist mir in der Bahn aufgefallen. Ich finde dich ziemlich attraktiv. Hast du Lust mal mit mir nen Kaffee trinken zu gehen?“. Sie: „Hm, ja ok.“. Ich: „Cool. Dann gib mir am besten deine Nummer und wir machen was aus. Ich bin Rico.“. – „Ich bin die Künstlerin.“. Wir holten unsere Handys raus. Während ich ihre Nummer eintippte, tauchten dank der Auto-Vervollständigung Nummern einiger vergangener Liebschaften auf meinem Display auf. Die Kellnerin, die Köchin, die Sekretärin, die Personalerin, die Controllerin, die Marketingangestellte, die Geschäftsführerin, die Einlasserin, die Garderobistin, zwei, drei Ladys von der Tanzfläche, die eine hinter der Bar, die andere hinter der Bar, die Clubbetreibererin, die Polizistin, die Anwältin, die Staatsanwältin, die Richterin, die Strafvollzugsbeamtin, die Notärztin, die Krankenschwester, die Chefärztin. Während die Parade an uns vorbei zog sagte sie kein Wort. Anscheinend wusste sie worauf es hinaus lief.

Abschließend sagte ich ihr, dass ich mich darauf freue sie bald zu treffen. Wir verabschiedeten uns.

Am nächsten Abend, so gegen neun, dachte ich mir: „Alter, du musst dich bei ihr melden und ihr zeigen, dass du sie willst.“. Gedacht, getan. Ich rief sie an. Sie war spontan genug sich mit mir am selben Abend zu treffen. Wir verabredeten uns zum Essen bei einem Inder um die Ecke. Witzig. Dort hatte ich ca. ein Jahr zuvor das erste Date mit der Zahnärztin.

Die Künstlerin erzählte mir, dass sie aus Bratislava komme und vor knapp 1 ½ Jahren nach Berlin kam, um hier zu studieren. Das erklärte ihren erotischen Akzent. Seit ihrer Kindheit zeichne sie leidenschaftlich gerne. Zur Zeit hauptsächlich mit Aquarell. Sie holte ein Büchlein hervor in dem sich Skizzen und aktuelle Werke befanden. Sie war gut.

Nachdem Essen verließen wir das Lokal und ich fragte, ob sie noch bei mir einen Film schauen wolle. Sie stimmte zu. Der Sex an dem Abend war der beste, den ich seit langem hatte.

In den folgenden drei Wochen trafen wir uns regelmäßig. Ich verliebte mich. Scheiße. Sie war großartig. Zumindest für mich. Zumindest in dem Moment. Sie hatte eine schlanke Figur, ein gebährfreudiges Becken und einen wohlgeformten, handvoll großen Busen. Die Augen einer Löwin zierten ihr hübsches Gesicht. Ihr dunkelblondes Haar stand strohig in alle Richtungen ab und deutete daraufhin, dass sie eine Kreative war. Und das war sie. Trotz einer langen akademischen Bildung waren Ihre Ansichten zu vielen Dingen außergewöhnlich und interessant. Sie war belesen und redete mit einer Engelszunge.

Auf der anderen Seite war sie in einigen Punkten lächerlich naiv und das obwohl sie 27 war. Ohne die Finanzierung ihrer Eltern hätte sie vermutlich ihre Wohnung verloren, oder sich an einen Mann gebunden, der sie unterstützt hätte. Aber so ist das mit den Langzeitstudis. Die Härte und auch die verborgenen Chancen des Berufslebens bekommen sie erst sehr spät zu spüren. Dennoch: Sie gefiel mir.

Zu meinem Leidwesen forderte sich mich bald auf, mich nicht zu verlieben. Zu spät. Leidenschaftlich gerne praktiziere sie die freie Liebe. Ich würgte innerlich, aber sagte kein Wort. Wenn ich mit den Bedingungen einverstanden sei, seien weitere Treffen möglich. Ich war einverstanden.

Wenn ich die Künstlerin in ihrer Wohnung traf, fand ich eine ausladend unordentliche Wohnung vor. Sie räume nur auf, wenn sie Besuch bekomme. Als ich fragte was ich denn sei, sagte sie: „Naja, nächste Woche kommt eine alte Freundin aus Bratislava. So einen Besuch meine ich.“. In der Zeit, in der ihre Freundin da war, trafen wir uns nicht. Als ich sie nach dem Besuch in ihrer Wohnung traf, war es tatsächlich ordentlicher.

Im Nachhinein betrachtet war die Künstlerin nicht nur unordentlich, sondern auch bei der Körperpflege nachlässig. Während ich mir die Mühe machte, vor jedem Treffen zu duschen, roch sie immer nach einem langen Arbeitstag. Nicht dass sie stank, es deutete jedoch darauf hin, dass sie ungepflegt war. Aber wo die Liebe hinfällt…

Nachdem ich diesen Zustand feststellte, spielte ich mit dem Gedanken, sie unter die Dusche zu schicken, wenn wir uns trafen. Es blieb beim Gedankenspiel. Entweder war ich zu verliebt, um auf diesen hygienischen Missstand hinzuweisen oder ich hatte Angst, meine frisch erworbene Quelle sexueller Befriedigung zu versiegeln. Vielleicht redete ich mir auch nur ein, dass ich verliebt war. Denn eigentlich hatten wir nur Sex, wenn wir uns trafen.

Bald schon meldete sich die Künstlerin nicht mehr bei mir. Wenn ich sie anrief, sagte sie mir, dass sie beschäftigt sei.

Zwei Wochen nach unserem letzten Treffen schrieb ich ihr eine Nachricht in der ich ihr offenbarte, dass ich an sie dachte und sie bald treffen wollte. Sie schrieb mir, dass ich nicht an sie denken sollte, sie im Moment total verwirrt sei, viel zu tun habe und wir uns eventuell nächste Woche treffen könnten. Eventuell nächste Woche?! Das war zu viel! Nachdem ich die Nachricht las, fuhr ich mitten in der Nacht zu ihr.

Zugegeben: Ich kam unangekündigt. Ihre Wohnung war sehr verwahrlost. Auch für ihre Verhältnisse. Überall lag schmutzige Wäsche und Zeug rum. In der Spüle stapelte sich schmutziges Geschirr bis zum Boden des darüber hängenden Küchenschrankes. Ich hatte sie kalt erwischt.

Sie befreite einen Stuhl von Kleidung und bot ihn mir an. Sie füllte zwei Weingläser randvoll mit Weißwein und exte ihrs. Ekelhaft. Ich trank nichts. Wie konnte eine so schöne, kluge und gebildete Frau nur so verloren sein?

Ich sagte, dass ich Klarheit wollte. Auch wenn das mit uns locker sei, erwartete ich regelmäßige Treffen. Wenn auch nur für Sex. Während sie zu jammern begann, wanderte mein Blick durch das Zimmer ihrer Einraum-Wohnung. Oh Gott, wie vermüllt es war. Mein Blick traf eine, neben der auf dem Boden befindliche Matratze, liegende Kondompackung. War gerade jemand hier?

Wut und noch mehr Ekel machten sich in meiner Bauchgegend breit. Ich ließ mir nichts anmerken. Sie weinte. Keine Ahnung warum. Offensichtlich wurde sie eben gebumst und hinterher kommt noch ein Idiot zum Quatschen. Is doch super.

Klarheit war mein Ziel. Diese hatte ich nun. Ich wusste nun, was ich vom Zusammensein mit einer Frau in Zukunft erwarten würde. Aus Höflichkeit sagte ich, dass ich mich freue, wenn sie mir bald mitteile, ob sie mich regelmäßig treffen wolle. Sie sollte sich Gedanken machen und sich dann melden. In Wahrheit wollte nun auch ich sie nicht mehr sehen. Ich ging.

Am nächsten Abend rief sie mich an. Sie sagte, dass sie vor die Wahl gestellt, mich nicht mehr treffen wolle. Ich sagte ihr, es sei ok und stimmte verständnisvoll zu. Auf einmal fing sie an mir im Jammerton zu erklären, dass sie sich von mir nicht angezogen fühlte. Offensichtlich. Sie könnte sich nicht weiterhin aus Höflichkeit mit mir treffen. Während sie jammernd weiter plapperte legte ich auf. Es war genug. Aufgrund eines gewissen Selbstschutzreflexes hatte ich in der Nacht zuvor alle Emotionen zum Rückzug aufgefordert. Und sie kamen.

Nach diesem Gespräch fragte ich mich allerdings, ob ich so bemitleidenswert wirkte, dass man das Gefühl bekam, sich aus Höflichkeit mit mir treffen zu müssen. Nicht etwa, weil mein Penis so groß war, oder ich so gut mit umgehen konnte, aufgrund meines Charmes oder außergewöhnlich guten Aussehens. Aus Höflichkeit?! Echt jetzt?

Mein Handy vibrierte. Eingehende SMS der Künstlerin. „Sorry, dass ich das am Telefon gemacht habe. Du findest sicher eine ganz ganz tolle Frau und wirst mega glücklich.“. Ich musste schmunzeln. Eine halbwegs geordnete Frau für regelmäßige Treffen wäre ein guter Anfang.

Die nächsten Tage verbrachte ich damit, die leichten Schmerzen zu verarbeiten, die mir die nun bewusst gewordene Abweisung zugefügt hatte. Ich fuhr mit dem Bus durch die Stadt.

Ich fragte mich, ob ich zu hart mit ihr war. Hätte ich mir dieses nicht enden wollende Klagelied bis zum Schluss anhören und ihr sagen sollen, dass es mein Fehler war? War es mein Fehler? Vielleicht. Offensichtlich war sie mindestens an jenem Abend in einer katastrophalen Verfassung und ich hatte nur an mich und meine Ego gedacht. Ich hatte ein schlechtes Gewissen. Ich schrieb ihr, dass ich mich dämlich verhalten hätte und es mir leid tue. Wenn sie reden wolle oder Hilfe brauche, könne sie sich gerne bei mir melden. Mehr konnte ich nicht tun.

Während ich schweren Herzens mit dem Bus durch die Stadt fuhr, sah ich am Alexanderplatz eine attraktive Frau zu mir in den Bus steigen. Alles war vergessen. Sie setzte sich mir gegenüber, schaute mich jedoch nicht an. Im meinem Kopf kreiste nur eine Frage: „Wann spreche ich sie wie am besten an?“.